1/26/2011

Kameravergleich CANON Eos 60D und NIKON D7000

Etwas mehr Semi oder etwas mehr Profi?

Sie werden oft miteinander verglichen, dabei ist das kaum möglich: Die Canon Eos 60D und die Nikon D7000 sind zwei eigenständige Interpretationen des Themas „semiprofessionelle DSLR“ in der Preisklasse um 1200 Euro für ein Kit.

Von Hans-Heinrich Pardey


Im Tone gespielter Verwunderung wurden die beiden Konkurrenten mit den guten großen Namen im Januarheft einer Fachzeitschrift gerade noch aufs Siegertreppchen gelassen: Für die Canon Eos 60D und die Nikon D7000 gab es einen gemeinsamen dritten Platz hinter der erstplazierten Pentax K5 und der Olympus E5 (diese beiden werden auch wegen ihres höheren Preises demnächst hier gesondert betrachtet). Schlimmer noch: Im Dezember hatte das gleiche Blatt pünktlich zum Weihnachtsgeschäft verkündet, gegenüber einer Nikon D3100 oder D7000 mit ihren neuen 14- und 16-Megapixel-Sensoren seien die älteren Modelle D5000/D90/D300s mit dem 12-Megapixel-Sensor die bessere Wahl.

Als entscheidende Kriterien für die Binsenwahrheit von Botschaft, dass mehr Pixel nicht auch automatisch mehr Bildqualität bedeuten müssen, wurden Grenzauflösungen bei höherer Empfindlichkeit und Texturverluste herangezogen. Aber mit dem Mess- und damit numerisch Vergleichbaren ist es - nicht nur bei Kameras - so eine Sache: Im Fall des Falles entscheidet wohl ein Zentimeter mehr oder weniger lichte Weite des Kofferraums darüber, ob man einen Schuhschrank hinein bekommt oder nicht. Aber zum K.o.-Argument für oder gegen ein Auto taugen diese zehn Millimeter nicht wirklich.

Trotz aller Ähnlichkeit in Abmessungen und betriebsbereitem Gewicht - knapp 1250 Gramm (mit einem Canon EF-S 1:4,5-5,6/17-85mm IS USM und einem AF-S DX Nikkor 1:3,5-5,6/18-105 mm ED, Gehäuse 755 und 775 Gramm) fühlen sich beide Kameras charakteristisch unterschiedlich an. Das geht schon beim ersten Einschalten los, das die Nikon einhändig mit einem Fingerschnips am Auslöser erlaubt, wohingegen die Canon eine zweite Hand am links liegenden Hauptschalter verlangt. Dort an der Eos gefällt wiederum der verriegelte Drehknopf zur Betriebsartenwahl. Markentypisch kommt die Nikon mit ihren zahlreichen Knöpfchen zur direkten Ansteuerung von Parametern, die dann mit den zwei Stellrädern verändert werden, technoider daher. Selbstverständlich hat sie das alles (und dazu noch viel mehr) ein weiteres Mal unter der Menütaste liegen.

Canons Eos wirkt glatter und übersichtlicher, nicht nur weil ihre Direktwahl-Knöpfchen auf der Gehäuseoberseite sitzen und sie hauptsächlich über die große Drehrad-Vierwege-Kombination an der Rückseite bedient wird. Auch ihr Monitor mit den Einstellungen wirkt viel aufgeräumter - nicht nur für den Lesebrillenträger. Ein entscheidender Unterschied zwischen beiden Kameras ist aber das bei der Eos klapp- und drehbare 3-Zoll-Display. Das der D7000 ist zwar genauso groß und wegen rund 40 000 RGB-Bildpunkten weniger statt der 346 000 der Eos muss man sich nicht verrückt machen. Aber wer gern und häufig mit Live-view fotografiert oder 1080p-Full-HD-Videos dreht, wird schnell den beweglichen Bildschirm als überlegen schätzen lernen. Dazu passt, dass die Eos mit einer Frequenz von 30 Vollbildern je Sekunde bis zu eine halbe Stunde lang filmt, während die D7000 auf 20 Minuten (Bildfrequenz: 24 Bilder/Sekunde) beschränkt ist. Ausgesprochen gut gefallen hat dem Live-view-Nutzer und Filmer jedoch die Kombination von Federhebel und Taste, die hinten an der D7000 den Monitorbetrieb und die Aufnahme kommandiert.

Und noch ein Detail der Nikon, das im praktischen Gebrauch überzeugt: Sie hat zwei Schlitze für SDXC-Karten, die auch gleichzeitig genutzt werden können, beispielsweise als Sicherungskopie oder um gleichzeitige Aufnahmen im Jpeg- und Raw-Format nach Typ getrennt abzulegen. Um das gut zu finden, muss man weder Semi- noch Vollprofi sein. So findet man neben zahlreichen Gemeinsamkeiten wie etwa der 1/8000 Sekunde als schnellste Verschlusszeit oder den rund fünf Bilder je Sekunde als höchste Serienbildfrequenz auch eine ganze Menge kleiner Unterschiede - bis hin zu solchen wie dem, dass die Eos zwar keine Gitterlinien einblenden kann wie die D7000, dass aber ihre Mattscheibe wechselbar ist.

Welche macht die besseren Bilder?
Maximal 18 Megapixel große Bilder (5184 × 3456 Pixel) liefert der 22,3 × 14,9 Millimeter große CMOS-Sensor der Eos. Der Nikon-Sensor misst 23,6 × 15,6 Millimeter und liefert maximal 4928 × 3264 Bildpunkte große Bilder: rund 16 Megapixel. Zugunsten der Nikon kann deshalb in der Diskussion auf die um ein Weniges größeren Sensorelemente hingewiesen werden und auf die bis ISO 25 600 zumindest nominell reichende Empfindlichkeit (statt ISO 12 800 bei der Eos). Die Gretchenfrage, welche von beiden denn nun die besseren Bilder mache, ist nicht einmal unter Einsatz von Messtechnik so einfach zu beantworten und jenseits des Quantifizierbaren auch Geschmacksache: Wie die ganze Kamera wirken die Jpegs der Eos 60D glatt, einfach gefälliger als die Ergebnisse der Nikon D7000. Die Eos zielt - nicht nur mit Dingen wie verschiedenen Bildformaten oder Kreativfiltern - deutlicher auf den Liebhaber, die Nikon mehr auf den Kenner und Könner der Digitalfotografie. In beiden Fällen aber gilt: Der limitierende Faktor der Bildqualität wird eher das Unvermögen des Fotografen als deutlich erkennbare Schwächen des Apparats sein.

Fazit: Für jeden Geschmack ist etwas dabei, um die Entscheidung für die eine oder die andere dieser beiden Kameras vermeintlich rational als Wahl der besseren zu begründen. Das so beliebte Vergleichen anhand von Einzelmerkmalen ist ohnehin vorwiegend für Erstkäufer von Interesse. Wer weiß, dass ihm das Bedienkonzept von Canon oder eben das von Nikon mehr liegt, bleibt gewöhnlich markentreu.

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