SportBILD
Kampf der Leserintelligenz
Heute Morgen am Bahnhof. Habe gerade den Zug verpasst, auf den nächsten muss ich 25 Minuten warten. Entschließe daher, mir etwas Lesbares zu besorgen und gehe in den kleinen, vergammelten Kiosk. Blick zur Theke, als erstes entdecke ich die Sport Bild. Brrrr. Schnell weiterschauen.
Danach allerlei Frauen- und Omizeugs, Bunte, Gala, undsoweiter. Blicke nach irgendetwas Fussballspezifischem suchend weiter. Wo ist denn der Kicker? Der ist zwar immer ein wenig bieder und langweilig und voll mit Floskeln und Redewendungen aus vergangenen Jahrzehnten, macht aber trotzdem den Job. Ist aber in diesem Kioskregal nicht zu finden.
Also wandert der Blick zurück zur als erstes gesichteten Sport Bild. Was solls, pack ich das Ding halt mal ein.
Warum ich so zögerte? Nun, als ich noch im Grundschulalter war, war die Sport Bild für mich das Größte. Jeden Mittwoch wurde das Ding gekauft, wurden Bilder oder Berichte über die Lieblingsspieler Scholl und Elber gesucht, über die vielen Hintergrundinfos gestaunt. Woher wussten die aber auch immer, was der Trappatoni in der Kabine gesagt hatte? Sport Bild war jedenfalls Pflichtlektüre für mich als Jungspund.
Wenn ich mich mit 10 plus x Jahren die Sport Bild lesend und heute im Zug die Sport Bild lesend vergleiche, fallen krasse Unterschiede auf. Als Zeitungsrookie damals war der Inhalt der Sport Bild Gesetz, wer in einem Text schlecht wegkam, war halt einfach nur böse, was Raimund Hinko über die Bayern schrieb, war immer wahr, nämlich, dass die Bayern immer und überall die Besten sind. Dass meine Wände mit Bayern-Postern zugeklebt waren, traf sich da natürlich gut mit meiner Sport Bild-Leserschaft.
Als ich heute aber nach langer, langer Zeit mal wieder die Sport Bild in den Händen halte und sie durchblättere, fühle ich mich zwar aufgrund der vielen Geschichten und Stimmen aus dem Bundesligaalltag garnicht mal übel unterhalten, komme mir aber auch immer wieder einfach nur veralbert und für dumm verkauft vor.
Die Zeitung macht einfach ziemlich vieles falsch, und das mit Absicht. Die Zeitung schnappt irgendwelche Tatsachen auf und dreht sie sich so hin, dass sich das, was passiert ist, so spektakulär oder skandalös wie möglich anhört. Den dabei entstehenden Kollateralschaden, dass dem Leser Artikel aufgetischt werden, die nicht mehr so ganz der Wahrheit entsprechen, muss man dabei halt in Kauf nehmen.
Die Ausgabe, die ich mir heute morgen zulegte und im Zug dann genießen durfte, war voll mit solchen Beispielen. Auf zum gemeinsamen Walkthrough:
Sport Bild gegen Guerrero
Die Zeitung listet in einem Artikel alle “ungehobelten Auftritte” der “südamerikanischen Skandalnudel” Paolo Guerrero vom HSV auf und macht unter anderem darauf aufmerksam, dass dieser “unter der Woche seinen weißen Porsche Panamera mit den Vorderreifen auf einem Behindertenparkplatz” abgestellt habe. Was für eine skandalöse Skandalnudel dieser Porsche-Proll aber auch ist. Vorderreifen also. Unglaublich.
Sport Bild gegen Söldner
Die Zeitung erzählt, dass der FC Köln unter anderem aufgrund der zwei Spieler Novakovic und Petit “bundesweit immer stärker als Söldner-Team” wahrgenommen werde. Als ich das lese, frage ich mich, was denn die zwei Spieler als Söldner qualifiziert. Geht es ihnen nur um die Kohle? Wechseln sie oft den Verein? Die Antwort: “Ihre Bilanz ist grausam.” Na dann.
Sport Bild gegen Cacau
Die Zeitung zeigt ein Interview mit VFB-Stürmer Cacau mit der Überschrift: “Ich habe Gross geschätzt-mehr nicht”.Das Interview findet sich in der Kategorie “Bundesliga O-Ton”. Als ich das Interview lese, merke ich als erstes, dass Cacau diesen Satz nicht ein einziges Mal sagt. Dafür sagt er, angesprochen auf die Entlassung seines Ex-Trainers Christian Gross, folgendes: “Ich hatte ein gutes Verhältnis zu Herrn Gross, und ich habe ihn als Trainer geschätzt.” Er könne aber seine Karriere nicht von einem einzigen Trainer abhängig machen. Außerdem habe er durchaus anfangs aufgrund seiner wenigen Spielzeiten seine Probleme mit Gross gehabt, respektiere ihn aber trotzdem nach wie vor.
Das wars. Das ‘mehr nicht’ hat Cacau nicht gesagt, es sind die Worte der Sport Bild. Von Cacau selbst gibt es nämlich kein negatives Wort, kein einziges.
Die Sport Bild will Cacau aber noch während des Interviews einen Giftpfeil in Richtung des Trainers entlocken, den er in einem früheren, unter dem Artikel in einem Kasten zusammengefassten Sport Bild-Interview noch über den grünen Klee gelobt hatte. Der Spieler wird deshalb gefragt, ob denn seine lobenden Aussagen von früher nun überholt seien, und der verneint das ganz klar mit den Worten: “Nein, überhaupt nicht.”
Der angesprochene Kasten mit den älteren, lobenden Aussagen ist dann aber trotzdem unfassbar dreist betitelt, nämlich: “Na, so was: Kürzlich lobte Cacau den Trainer noch ohne Ende…” Das hat er ja eben auch getan, liebe Sport Bild. Warum also “Na, so was”?
Was hier passiert ist, ist ganz einfach: der Redakteur Florian Scholz führt ein ganz gewöhnliches Interview mit Cacau, bekommt von ihm ganz gewöhnliche und skandalfreie Aussagen. Da ihm das aber anscheinend nicht ganz passt, werden die Aussagen von Scholz so präsentiert, dass Cacau, der garnichts Böses sagt, als nachtretender und sich selber widersprechender Heuchler dargestellt wird. Warum macht man sowas?
Sport Bild gegen Leserintelligenz
Die Zeitung schießt mit der Titelgeschichte den Vogel ab.
Auf dem Titelblatt geht es schonmal ziemlich vorlaut und spektakulär los, von einem “PAKT GEGEN BAYERN” zwischen Mainz und Dortmund ist die Rede. Unter der Schlagzeile gibt es dann noch weitere Hinweise darauf, wie denn dieser Pakt ungefähr aussieht: Mainz-Coach Tuchel benutze ein Computerprogramm, das BVB-Coach Klopp entwickelt habe, die Vereine sprächen sogar Spielertransfers untereinander ab, und schließlich, jetzt bitte festhalten: “Sie feiern Siege gegen München gemeinsam mit Bier”.
Als ich die Titelstory dann aufschlage, bin ich ziemlich gespannt und auf die Enthüllung krasser Verschwörungen gefasst, auf Bilder, die Tuchel und Klopp beim Verbrennen einer Bayern-Fahne und die Mannschaften beider Vereine bei wilden gemeinsamen Besäufnissen zeigen, welche Wirkung das gemeinsame Biertrinken “gegen Bayern” auch immer haben mag. Doch was am Ende dabei herauskommt, ist dann leider gar nicht so actionmäßig:
BVB-Boss Watzke und Mainz-Manager Heidel haben nämlich in der Nacht nach dem Bayern-Sieg der Dortmunder auf ein paar Bier angestoßen. Die beiden kennen sich nämlich ziemlich gut. Das war sie also schon, die Sache mit dem Bier. Langweilig.
Was ist aber mit dem skandalösen Absprechen bei Spielertransfers, um den Münchnern eins auszuwischen? Stellt sich auch eher als unspektakulär heraus, der Heidel ruft nämlich dem Klopp ab und zu an, wenn er einen Spieler verkaufen will. Na, wenn das aber der Hoeneß hört.
Was war noch, achja das mit dem Computerprogramm, das der Klopp entwickelt haben soll und das der Tuchel jetzt benutzt.Um was es sich dabei dem Artikel zufolge handelt? Nunja, der Tuchel benutzt jetzt ein Computerprogramm für die Taktik, das der Klopp entwickelt hat. Und das Entwickeln sah laut Sport Bild so aus: “Seine Verbesserungsvorschläge waren maßgebend.”
Das wars also schon, ein gemeinsames Bier zwischen zwei Offiziellen, ein paar Anrufe zwischen einem Offiziellen und einem Trainer, dazu irgendein zusammenhanglos in den Pakt-Cocktail geworfenes Computerprogramm. Was das alles jetzt mit den Bayern zu tun hat, wird zwar nicht so ganz deutlich, von der Sport Bild aber mal eben als Titelstory verkauft und auf acht Seiten mit der Beschriftung “Pakt gegen Bayern” ausführlich breitgetreten.
Was “Pakt” und “Zusammenarbeit” genannt und als Verschwörung verkauft wird, ist nichts anderes als ein paar zusammengeschusterte Anekdoten, die so dermaßen zurechtgerückt und absichtlich fehlinterpretiert werden, dass es auf den ersten, naiven Blick vielleicht irgendwie irgendwo doch noch einen Sinn ergibt. Wenn man denn der Sport Bild glaubt.
Zu Grundschulzeiten wären meine Gedanken nach dem Lesen des Artikels eine ganz klare Sache gewesen: “Verflucht seid ihr, Dortmund und Mainz! Lasst meine Bayern in Ruhe! Danke fürs Aufdecken, liebe Sport Bild!”
Die Zeiten liegen aber schon lange zurück.
Kampf der Leserintelligenz (2)
Ich habe mir überlegt, aus der Sport-Bild-Sache von letzter Woche eine kleine Serie zu starten. Sofern ich mittwochs also eine Sport Bild in die Hände bekomme, werden in Zukunft hier die Lowlights der Ausgabe zu sehen sein. So auch heute.
Auch in dieser Woche teilt das Blatt heftig aus: gegen Van Gaal, gegen die Türken, gegen Silvestre, gegen den HSV sowieso und am allermeisten. Ein Fernsehsender kommt aber ganz gut weg.
Sport Bild gegen den HSV
Weiß jemand zufällig, was der HSV der Sport Bild angetan hat? Fest steht: der HSV ist der Hauptgegner dieser Ausgabe. Der Verein hinkt den Erwartungen zurzeit bekanntlich hinterher und steht auf Platz acht, damit steht der HSV laut Sport Bild “für Mittelmaß!”.
Doch da der Begriff “Mittelmaß” Jochen Coenen aus der Chefredaktion nicht beleidigend genug ist, legt er nochmal kräftig nach: der HSV sei “der Schandfleck der Stadt”, die Spieler, die zum Einsatz kommen, seien “immer noch dieselben Versager aus der Vorsaison” mit einer “bekannten Null-Bock-Einstellung”.
Bei soviel Erbärmlichkeit verwundert es nicht, dass Coenen zu dieser schönen Schlussfolgerung kommt: “Wie passend, dass das Stadion neben einer Müllverbrennungsanlage liegt.” Kein Zusammenhang, kein Sinn, aber wenigstens den HSV indirekt als Müll bezeichnet. Was ein achter Platz alles ausmacht.
Sport Bild gegen Van Gaal
Kurz nach seiner Verpflichtung wurde Bayern-Coach Louis Van Gaal noch kräftig abgefeiert. Nach der Entlassung des Bild-Feindes Klinsmann schien Van Gaal genau dessen Gegenteil zu sein und hatte die Sport Bild an seiner Seite, die ihn staunend dabei fotografierte, wie er beim Interview anfing, mit Kaffeemilchbechern seine Taktik zu erklären.
Doch jetzt, nachdem Uli Hoeneß den Coach öffentlich kritisierte, liest sich das Ganze plötzlich ganz anders. Die Sport Bild hat auf einmal, genauer bei der Vorstellung seines neuen Buches (die allerdings schon einen Monat zurückliegt), das wahre Ich Van Gaals ausgemacht.
Denn dort habe er die ebenfalls gekommenen Führungskräfte des FC Bayern, Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, “öffentlich auf derbe Art düpiert”. Van Gaal habe nämlich erklärt, dass er immer und überall der Chef sei und zu Hoeneß und Rumenigge gesagt: “Auch für Sie ist es wichtig, das zu lesen.”
Aus diesen Beobachtungen schürt die Zeitung ein schönes Opfer-Täter-Paket, und die Rollenverteilung wird durch den bewussten Gebrauch von Adjektiven so verstärkt, dass man fast schon Mitleid mit den so unterdrückten Herren Hoeneß und Rummenigge bekommt.
Denn während Van Gaal “oberlehrerhaft anmutend” mit der Hoeneß-Rummenigge-Kombo gesprochen habe, hätten die zwei “gute Miene zum bösen Spiel” gemacht und artig vor den Kameras mit Van Gaals Buch posiert.
Sport Bild gegen Schalke
Schalke spielt eine schwache Saison und steht bekanntermaßen finanziell schlecht da, da packt Sport Bild die Horrorkeule aus. Schon die Überschrift verheißt nichts Gutes: “Bei Abstieg ist Schalke tot”.
Und nach dem Lesen des Artikels könnte man den Verein schon jetzt für einen wandelnden Zombie halten: nicht nur, dass der Verein die Schulden nach einem Abstieg erheblich schwerer ausgleichen könnte als in der ersten Liga, nein: “Jetzt bekämpfen sich die Spieler sogar schon untereinander!” Höwedes und Farfan hatten nämlich im Training eine kleine Auseinandersetzung und wurden handgreiflich.
Dass sowas in Fussballmannschaften immer wieder vorkommt, dass der Vorfall bei einem Verein aus der oberen Tabellenregion als Lappalie abgehakt würde, geschenkt. Irgendwie muss das Horrorfeeling ja aufgebaut werden.
Sport Bild gegen Gladbach
Wie beschreibt man die Krise eines Bundesliga-Vereins am besten, abgesehen von solchen Horrorszenarien? “Gladbach steht auf dem letzten Platz, die Stimmung ist angespannt” wäre ja langweilig. Also braucht es zusammengereimte interessante Zusammenhänge.
Als erfahrener Sport Bild-Redakteur erkennt man dann auch recht schnell, dass Gladbach sechsmal gegen Mannschaften verloren hat, die in den Spielen vor der Begegnung mit Gladbach nicht gut ausgesehen hatten. Was schließen wir daraus? Die “barmherzige Borussia” leistet “freundliche Aufbauhilfe für darbende Konkurrenten”. So einfach ist das.
Sport Bild gegen den HSV II
Wer denkt, die Sport Bild wäre mit dem HSV nach der oben ausgeführten Abrechnung von Jochen Coenen fertig, wird einige Seiten später eines Besseren gelehrt. Dort folgt nämlich ein HSV-Artikel, der mit “Ratlos in die Krise” betitelt ist. Als Leser fragt man sich dann vor dem Lesen natürlich, warum und aus was genau diese Krise besteht, und was bekommt man serviert? Die falsche Schuhwahl des Paolo Guerrero.
Wir erinnern uns, schon letzte Woche wurde der von der Sport Bild hart angegangen und als “südamerikanische Skandalnudel” bezeichnet. Und auch diesmal wird auf der Titelseite ein erneuter Guerrero-Skandal angekündigt: “Guerrero: schon wieder Ärger und Strafe”. Um was es geht? Der Peruaner ist in Nike-Schuhen aufgelaufen, obwohl in seinem Arbeitsvertrag steht, dass er in Adidas zu spielen habe. Dafür muss er 10 000 Euro Strafe zahlen.
Das Ganze hat zwar mit dem Erläutern einer sportlichen HSV-Krise rein garnichts zu tun, hört sich aber ja wenigstens etwas spektakulär an und macht deshalb auch den Großteil des Artikels aus.
Sport Bild gegen Silvestre
Redakteur: Hey Chef, hab für die Bundesliga noch eine Seite frei, über wen soll ich schreiben?Chefredakteur: Hmm, nimm doch den Silvestre, über den kotzen sie in Bremen ja ziemlich ab.Redakteur: Hab den aber noch garnicht spielen sehen.Chefredakteur: Wie oft soll ich euch das noch erklären? Wenn ihr einen Spieler niederschreiben wollt, dann nehmt ihr die S.T.A.T.I.S.T.I.K. ! Die zieht immer. Einfach ein paar schlechte Werte nehmen und mit ihrer Hilfe den Spieler als Pflaume hinstellen. Hop, hop!Redakteur: Alles klar. Bin dann mal Datenbanken stöbern.
Ergebnis dieses erfundenen Dialoges in der heutigen Ausgabe: ein mit “Zu schlecht für die Liga” beschrifteter Artikel über den Bremer Mickael Silvestre.
Der Redakteur hat Glück, denn die Statistik spuckt einige Zahlen aus, die Silvestre nicht so gut darstehen lassen. Mit 47 Prozent gewonnen Zweikämpfen habe der die drittschlechteste Bilanz aller Abwehrspieler, außerdem weise er eine Fehlpassquote von 28 Prozent auf. Aus diesen Zahlen folgert er dann, dass Silvestre nicht “reif für die Bundesliga” sei. Einmal in Fahrt, reimt sich Thorsten Rumpf dann aus den Zahlen auch noch eine grundsätzliche Offensivschwäche Silvestres zusammen: “erst acht Flanken”.
Sport Bild über Heung Min Son
Kleiner Schmunzler für zwischendurch: der junge Südkoreaner, der für den HSV (!) gegen den FC Köln ein schönes Tor erzielte, wird in einem kleinen Kasten gelobt. In einem sehr schönen Beisatz wird der Spieler dort im Schnelldurchlauf charakterisiert: “Im Test gegen den FC Chelsea hatte sich Son – keine Freundin, kein Führerschein – den Fuß gebrochen.”
Sport Bild gegen die bösen Türken
Anhand der deutschen U17-Nationalelf, die hier vor kurzem auch behandelt wurde und in der es vor türkischstämmigen Spielern nur so wimmelt, zeigt die Sport Bild den “Streit um die Özils von morgen” auf.
Doch so wie die Zeitung die Situation schildert, kann von einem Streit keine Rede sein. Vielmehr wird die türkische Seite bzw. Erdal Keser, Leiter der europäischen Abteilung des türkischen Verbandes, als Krawallmacher dargestellt, die dem DFB die kostbaren Talente wegschnappen wollen.
Spieler werden als “Beute” bezeichnet und Keser wird beschuldigt, in den Reihen des DFB für “Unruhe” zu sorgen, indem er sogar während der laufenden EM-Qualifikation um die Spieler “feilsche”. Also fragt die Zeitung vielsagend: “Ist Keser etwas ein Talentdieb?” Dass beispielsweise der im Artikel ebenfalls erwähnte Kaan Ayhan vor seinem Engagement für den DFB bereits in türkischen Nationalmannschaften spielte, tut nichts zur Sache.
Stattdessen wird weiter am Angreiferimage der Türken gebastelt: Keser rufe nämlich die Spieler immer wieder an, um sie abzuwerben, Kapitän Emre Can werde sogar derart belästigt (ganze zwei Anrufe in vier Monaten!), dass er schon die Nummer Kesers auswendig könne. Dabei sei Can nach eigener Aussage doch glücklich darüber, für Deutschland aufzulaufen.
Dass die Bemühungen Kesers nicht ganz so grundlos sind, zeigt dann aber eine weitere Aussage des umworbenen Can, der sich noch gar nicht sicher sei, für welche A-Nationalmannschaft er später auflaufen wolle. Doch das ist laut Sport Bild nicht Grund, sondern Folge des Werbens der türkischen Seite.“Zumindest ihn scheint der Telefon-Terror Kesers doch nicht unbeeindruckt gelassen zu haben.”
Damit wird in einem Satz und in wenigen Worten beiden Beteiligten eine mitgegeben: dem Spieler für seine widersprüchlichen Aussagen, dem Funktionär für seine Abwerbungsversuche. Hut ab.
Sport Bild pro Sky (und gegen HSV III)
In der Rubrik “TV-Kritik” nimmt sich Sport Bild der auf Sky in 3D HD ausgestrahlten DFB-Pokal-Partie Frankfurt-Hamburg an. Der Wortlaut strotzt förmlich vor Begeisterung und liest sich wie eine Werbebroschüre: der Sender “hievt sich auf ein neues Level”, die “räumliche Darstellung ist revolutionär”, und “man hat manchmal das Gefühl, das man mitspielt”.
Das Ganze könne zwar “nur genießen, wer das passende Abo, 3D-Fernseher und -Brille hat”, doch: “es lohnt sich”.
Doch bei all der Begeisterung wird nicht vergessen, dem Erzfeind dieser Ausgabe, dem HSV, nochmal zu verschmähen: “Dem HSV mangelt es an Technik, Sky nicht.”


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