Olympia-Boykott
Die Olympischen Spiele sind keine Werbeveranstaltung für westliches Denken, Menschenrechte und Demokratie. Sie dienen der Völkerverständigung, dem Zusammenkommen und sportlichen Wettkampf der Jugend dieser Welt. Dabei kommen Menschen aus jedem Winkel der Welt zusammen, lernen sich kennen und evtl. sogar schätzen. Olympia fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl der Welt und gibt den Völkern der Erde ein Gesicht, das man gesehen hat und mit dem man das Erlebnis Olympia verbindet.
Wer versucht, die Olympischen Spiele zur Missionierung seiner Weltanschauung zu instrumentalisieren, leugnet die olympische Idee oder hat sie nicht verstanden.
Die Menschenrechtssituation in China war bereits bei der Vergabe der Spiele sattsam bekannt. Daß man die Spiele gar nicht erst nach Peking hätte vergeben dürfen, steht auf einem anderen Blatt. Sich jetzt also indignert zu geben, als wenn uns die Menschenrechtssituation in China überraschte, wirkt doch etwas verlogen.
Es steht natürlich außer Zweifel, daß man die Olympischen Spiele nicht unpolitisch betrachten darf. Auf der anderen Seite sollte man aber die Olympischen Spiele aber auch nicht für Politik instrumentalisieren: nicht von Seiten Chinas, aber auch nicht von den Seiten, die inmitten einer allgemeinen Stimmungslage der Furcht vor der "gelben Gefahr" die Olympischen Spiele benutzen wollen, um die Welt in gut und böse zu unterteilen bzw. dazu um eine Liste der Schurkenstaaten aufzustellen.Was macht man denn, sollte China boykottiert werden, 2014 mit Russland und z.B. deren Tschetschenien-Politik, die Chinas Tibet-Politik wohl in nicht viel nachsteht? Und würden nicht dann Staaten wie China und Russland unter Hinweis z.B. auf den Irakkrieg und Guantanamo künftige Vergaben der Spiele in die USA teilweise nicht ganz zu Unrecht boykottieren, oder sogar bereits für London 2012 aus besagten Gründen eine Retourkutsche starten?Meine Aussage also: natürlich gibt es gute moralische Gründe für den Boykott. Betrachtet man einen solchen Boykott aber vorrangig politisch, dann muss man ihn als Präzedenzfall betrachten und die künftigen Konsequenzen mitbedenken. Darum finde ich, daß -aus dieser politischen Sicht- die Boykott-Befürworter ungewollt denen
nachlaufen, die eine erneute Spaltung der Welt in verschiedene Blöcke herbeireden, was nicht so mein Ding ist, schon gar nicht auf der Ebene von Völkern und Kulturen.
Von den Athleten, die sich seit Jahren auf den Höhepunkt ihrer Karriere vorbereiten, mal ganz zu schweigen.


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